Aug 062021
 

Wie kann ich mit meiner Angst konstruktiv umgehen?

Eine kleine Anleitung aus Sicht der Motivationspsychologie.
Nicht nur für Corona.

Wie kann ich mit meiner Angst konstruktiv umgehen

  1. Angst ernst nehmen. Angst signalisiert eine potentiell unberechenbare und potentiell bedrohliche Umweltsituation. Angst ist (über)lebenswichtig.
  2. Angst aushalten. Unstimmigkeiten und Bedrohungen können besonders präzise unter einer negativen Affektlage analysiert werden.
  3. Schweregrad bestimmen. Nah-, Fern- und Nebenfolgen berücksichtigen: welche Folgen hat die Pandemie für mich, für andere, für die Gesellschaft.
  4. Persönliche Risikofaktoren. Gibt es persönliche Risikofaktoren für mich, etwa Vorerkrankungen, die die Pandemie für mich besonders gefährlich macht?
  5. Gefahrensituationen erkennen. Gibt es Gefahrensituationen in die ich mich (regelmäßig) begeben muss und dann entsprechend schützen muss?
  6. Verantwortungsübernahme. Für welche Gefahrensituation sollte ich eine persönliche Verantwortung übernehmen? Wann kann (und sollte) ich Verantwortung abgeben?
  7. Handlungsräume identifizieren. Insbesondere Situationen finden, in denen einfache Schutzmaßnahmen wirksam sind, z.B. bei Gedränge eine gut sitzende FFP2/3-Schutzmaske tragen.
  8. Handlungsräume erweitern. Insbesondere Schutzhandlungen identifizieren, die mögliche Bedrohungen systematisch reduzieren konnten, etwa Impfen.
  9. Handlungs-Ergebnis-Erwartung. Mögliche Schutzhandlungen auf ihre Wirksamkeit überprüfen. Welche Hygienemaßnahmen sind wirklich sinnvoll?
  10. Handlungspassung (Selbstwirksamkeit). Passen möglich Schutzhandlungen gut zu mir? Fällt mir eine dauerhafte Ausführung leicht? (Oder besteht umgekehrt die Gefahr einer Überanstrengung?)
  11. Gleichgewicht zwischen Bedrohung & Schutzhandlung. Schaffe ich es ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Bedrohungswahrnehmung und Schutzhandlung beizubehalten?
  12. Überschießende Ängste. Verlängern sich Angstzeiten und/oder Bedrohungssituationen systematisch über die Zeit? Soziale Unterstützung und/oder professionelle Hilfe suchen.
  13. Emotionales Coping. Kurzfristig können emotionszentrierte Verfahren wie Entspannungsverfahren hilfreich sein. Sie sollten mittelfristig durch problemlösungsorientierte Strategien ergänzt werden (weil nur die das eigentliche Problem lösen).
  14. Persistenz. Wichtige Schutzhandlegen aufrechterhalten, auch wenn es zwischendurch unbequem oder mühsam ist (Situationen entsprechend vorplanen).
  15. Selbstkongruenz. In der Schutzhandlung „fühlen”, ob man sich mit dieser (noch) wohlfühlt.
  16. Emotionsregulation. In der Schutzhandlung negative Affekte regulieren ggf. mit Hilfe von emotionaler sozialer Unterstützung (und ggf. AKTIV Unterstützung oder Hilfe suchen).
  17. Planen und Problemlösen. Schutzhandlungen systematisch planen. Neben- und Fernwirkungen von Handlungen systematisch berücksichtigen (vary one factor at a time).
  18. Vorsatzbildung durch W-Methode. Wo, wann & wie soll eine spezifische Schutzhandlung umgesetzt und durchgeführt werden? Situationsspezifische Hinweisreize beachten und konsequent handeln.
  19. Handlungsziele im Auge behalten. Führen meine Schutzhandlungen wirklich zur gewünschten Bedrohungsreduktion?
  20. Zielerreichung zelebrieren. Etwa den erfolgreichen Abschluss einer Handlung gebühren feiernd, etwa wenn die Impfung abgeschlossen ist.
  21. Zielerreichung markieren. Die erfolgreiche Handlung durch ein Zeichen für sich und andere sichtbar machen und dokumentieren.
  22. Handlungseffektivität überprüfen. Sind meine Handlungsstrategien noch weiterhin effektiv oder sollte ich diese ggf. anpassen? Z.B. Ist das Abstandhalten in Innenräumen bei #Delta noch weiterhin effektiv?
  23. Langfristige Handlungspassung. Passen meine Schutzhandlungen weiterhin gut zu mir? Fühle ich mich mit meinen persönlichen Schutzhandlungen weiterhin wohl?
  24. Balance mit sich selber. Jeder muss für sich einen Mittelweg finden zwischen „gut fühlen“ und „richtig handeln“.
  25. Follow the Science. Muss die ursprüngliche Bedrohungslage aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen neu eingeschätzt werden?
  26. Quelle. Die Ableitung “Wie kann ich mit meiner Angst konstruktiv umgehen?” beruht auf dem Integrierten Lern- und Hanldungsmodell. https://www.researchgate.net/publication/259357200_Was_ist_aus_dem_integrierten_Handlungsmodell_geworden

Weitere Leseempfehlung: Zur “Mechanik des Covid19 Querdenkens

Jun 282021
 

Rezension zu Walter Isaacson The Code Breaker: Jennifer Doudna, Gene Editing, and the Future of the Human Race

Rezenstion zu Walter Isaacson The Code Breaker

Vielleicht das Buch des Jahres: Walter Isaacon beleuchtet in „The Code Breaker“ die Hintergründe der Forschung, die u.a. die Produktion von mRNA-Impfstoffe ermöglicht haben. Eine Rezension.

Walter Isaacson nimmt uns mit auf die Reise in das menschliche Genom. Das Buch handelt von der Erforschung der RNA und wie man diese verändern kann. Erzählt wird vor allem aus der Perspektive der Nobelpreisgewinnerin Jennifer Doudna.

Aber dieses Buch ist mehr als eine Biographie, auch die vielen Forscherinnen und Forscher, die in diesem Feld eine Rolle spielten (und spielen) und ihre Entdeckungen werden ausführlich vorgestellt. Dabei erzeugt Walter Isaacson – gestützt auf viele Interviews – eine Atmosphäre als wäre er selber dabei gewesen.

Und tatsächlich, in diesem Buch dokumentiert Isaacson eine unübertroffene Akribie, er besucht Fachkonferenzen, hantiert mit Pipetten und nimmt als Proband an einer Impfstudie von Biontec Pfizer teil. Trotz oft kindlich anmutender Begeisterung für den wissenschaftlichen Fortschritt, reflektiert Isaacson auch Kooperation und Rivalität zwischen Wissenschaftlerinnen z.B. zwischen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna. Wer kann den nächsten großen Artikel veröffentlichen, wer kann das nächste Patent anmelden, wer kann die nächste Firma ausgründen und wer gewinnt den nächsten Forschungspreis?

Diese und andere Rivalitäten schwächen sich dann erst mit Beginn der Corona-Krise etwas ab: Forschungsergebnisse werden fortan auf Preprint-Servern geteilt, Anleitungen für Testverfahren werden ohne vorherige Patentierung frei zur Verfügung gestellt.

Das Buch von Isaacson ist wahrlich multidimensional: es ist eine Reise durch die Zeit von Georg Mendel bis zur Jetztzeit und es ist eine Reise in der Raum hinein bis in die molekulare Struktur der RNA. Es ist eine Reflexion von wissenschaftlicher Arbeit und wissenschaftlicher Ethik. Dabei kommt James Watson, dem kongenialen Partner von Francis Crick beim Finden der Doppelhelix eine besondere Nebenrolle zu, in der sich wissenschaftliche Glorie und Hybris gleichermaßen spiegeln. Ohne Rosalind Franklin zu fragen wurden das unveröffentlichte Foto 51 von ihrem Doktoranden Raymond Gosling und dem Kollegen Maurice Wilkins an Watson & Crick weitergegeben. Watson & Crick haben dieses Bilder dann genutzt, um die Struktur der Doppelhelix weiter zu entschlüsseln. Rosalind Franklin wurde dann zwar in einem Nebensatz erwähnt, starb aber tragisch schon mit 37 Jahren – 4 Jahre bevor Watson, Crick & Wilkings dann 1962 der Nobelpreis für Medizin bekamen.

Ausführlich werden auch die späten Jahre von Watson im Buch geschildert. Mehrfach behauptet Watson, das “Schwarze” weniger intelligent sein und dass die Ursachen hierfür mi den Genen lägen. Watson ließ nicht von seinen Behauptungen ab und verlor schließlich alle Ehrentitel. Dies wird von Isaacson auch ausführlich geschildert. Zwar betont Isaacson an einigen Stellen die Notwendigkeit für interdisziplinäre Forschung, aber sicherlich wären an dieser Stelle wären vertiefende Betrachtungen zur Erblichkeit von Intelligenz nötig gewesen.

Warum nennt sich ein Molekularbiologe wie Watson wenig mit der Intelligenzforschung aus und behauptet beharrlich Unfug? Eitelkeit, Arroganz und Überheblichkeit sind wichtige Eigenschaften von allen Wissenschaftlerinnen, geraten aber außerhalb des wissenschaftlichen Peer-to-Peer-Kontextes schnell außer Kontrolle.

Mit seiner Begeisterung für RNA reist Isaacson seine Leserschaft mit und verwandelt ein eigentlich trockenes wissenschaftliches Thema in ein spannendes Buch. Aber mit genau dieser Begeisterung verliert Isaacson auch seine kritische Distanz (wie auch schon mit seinen Begeisterungsstürmen für Leonardo da Vinci). Sicherlich wird es mit der Genschere CRISPER/Cas in Zukunft sehr leicht sein, das menschliche Erbgut zu verändern. Und sicherlich gibt es einige genetisch bedingte Krankheiten, die in Zukunft leicht zu heilen sein werden.

Der Großteil der menschlichen Eigenschaften – wie die schon erwähnte- Intelligenz – sind jedoch nicht annähernd verstanden und können deshalb auch auf lange Zeit nicht systematisch verändert werden. Andere Basiseigenschaften, die besser verstanden sind, wie etwa die Körpergröße, könnten systematisch verändert werden. Aber macht das überhaupt Sinn? Wenn ALLE Menschen etwa 2 Meter große wären, bräuchten wir größere Häuser, größere Autos, größere Flugzeuge.

Fazit der Rezension zu Walter Isaacson The Code Breaker

Es ist schwer zu resümieren, ob Walter Isaacson wirklich das “Buch des Jahres” vorgelegt hat. Aber auf jeden Fall hat er eine kurzweilige und interessante Aufarbeitung des wissenschaftlichen Hintergrundes geleistet, die u.a zur Entdeckung von mRNA-Impsfoffen geführt hat. Damit leistet Walter Isaacson auch eine allgemeinverständliche Aufklärung zu diesem Thema und nimmt vielleicht auch vielen Menschen die Angst, dass die neuen Impfstoffe zu schnell entwickelt wurden. Insofern ist dieses Buch eine absolute Lese- oder Hörempfehlung für alle Menschen, die sich vermehrt mit der Erforschung der RNA beschäftigen wollen.

Weitere Leseempfehlung: Eine kleine Analyse der Mechanik des Covid19 „Querdenkens“ aus motivationspsychologischer und sozialpsychologischer Perspektive.

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Feb 252021
 

Systemeigenschaften einer pandemiegerechten Schule

Systemeigenschaften einer pandemiegerechten Schule

Wie soll es mit den Schulen in Zeiten von Corona weitergehen? In der aktuellen Diskussion (Stand 25.2.2021) werden vor allem Schnelltests und Impfungen genannt. Diese beiden Maßnahmen sind natürlich wichtig. Aber viel entscheidender ist ein Gesamtpaket von Maßnahmen, die aufeinander abgestimmte sind und sich gegenseitig ergänzen. Diese Maßnahmen sollten im Rahmen einer mittelfristigen Schulentwicklung umgesetzt werden und zu den Systemeigenschaften einer pandemiegerechten Schule führen, die ich im Folgenden aufliste:

1. Reaktionsschnelligkeit. Die Ausbreitung von #COVID19 muss bei einem Ausbruch möglichst schnell gestoppt werden. Auf Warnhinweise, z.B. Ergebnisse von Schnelltests schnell und konsequent reagieren -> 5 Tage Homeschooling + weitere Testung. 2/15

Systemeigenschaften einer pandemiegerechten Schule

2. Verringerung von Knotenpunkten. Insbesondere Superknoten müssen konsequent vermieden werden, etwa durch Fachunterricht im Digitalformat. 3/15

3. Kohortierungsprinzip. Durch die Einhaltung strikter Kohortierung inklusive der Bezugspersonen können große Ansteckungscluster vermieden werden. Dies gilt auch für adjunkte Nachbarsysteme, etwa den ÖPNV. 4/15

4. Engmaschigkeit. Mögliche Ansteckungsketten müssen genau identifiziert werden, etwa durch Schnelltests, um eine möglichst hohe Zielgenauigkeit der Pandemiemaßnahmen zu erreichen und Kollateralschäden zu minimieren. 5/15

5. Übertragungswahrscheinlichkeit verringern. Insbesondere durch konsequentes Tragen von FFP2- Masken, Einsatz von (mobilen) HEPA-14-Filtern, Raumteiler und irgendwann Impfung. 6/15

6. Redundanz. Schutzmaßnahmen müssen sich ergänzen. Kein System sollte so gestaltet sein, dass der Ausfall einer Systemkomponente zu kompletten Systemversagen führen kann. 7/15

7. Transparenz. Alle Beteiligte des Systems Schule sollten über die Pandemiestrategie umfassend und zeitnah informiert werden, damit sie selbstgesteuert handeln können. 8/15

8. Reaktionsfähigkeit. Veränderungsprozesse müssen antizipiert und trainiert werden. Etwa die mögliche Umstellung auf das Homeschooling bei hoher Inzidenzlage. 9/15

9. Frühwarnsysteme. Daten als Indikatoren für die Pandemiedynamik sollten möglichst niedrigschwellig gesammelt werden, etwa mit Hilfe einer zentralen Meldestelle. 10/15

10. Proaktive Steuerung. Eine schnelle Veränderung der Pandemiesituation an Schule macht eine agile Steuerung nötig, die nicht immer auf behördliche Anweisungen „von oben“ warten kann. 11/15

11. COVID19-Steuergruppe. Die Steuerung der Pandemiestrategie sollte eine ausgewählte Gruppe übernehmen, die die insbesondere den Kommunikationsfluss in alle Statusgruppen (an der Schule) gewährleisten kann. 12/15

12. Selbstevaluation. Die Wirksamkeit der Pandemie- Strategie sollte fortlaufend kontrolliert werden, insbesondere auch auf (unerwünschte) Nebenwirkungen und zeitlich Verzögerungseffekte hin. 13/15

13. Fremdevaluation. Die Selbstevaluation sollte durch eine wissenschaftliche Fremdevaluation unterstützt werden, etwa bei der Überprüfung der Wirksamkeit von Luftfiltern. 14/15

14. Compliance. Entscheidend für die Wirksamkeit der Pandemiemaßnahmen ist die Compliance. Die muss höher sein als bei üblichen Qualitätsmaßnahmen an Schule. 15/15

Weitere Informationen zu Schule in Zeiten von COVID19:

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Feb 182021
 

Eine kleine Analyse der Mechanik des Covid19 „Querdenkens“ aus motivationspsychologischer und sozialpsychologischer Perspektive.

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Mechanik des Covid19 Querdenkens

  1. Emotionale Überforderung. Die pandemische #covid19 Situation löst berechtigterweise Angst und Schrecken aus und führt bei vielen Menschen zu einer emotionalen Überforderung.
  2. Kognitive Überforderung. Die zeitlichen Verzögerungen & Dynamiken, die Neben- Fern- und Wechselwirkungen erzeugen eine große Komplexität und führt bei vielen Menschen – auch bei vielen WissenschaftlerInnen – zu einer kognitiven Überforderung. Insbesondere die „Zeitgestalt“ durch exponentielles Wachstum wird oft nur unzureichend vorausgesehen und von den meisten Menschen systematisch unterschätzt.
  3. Mechanik des Covid19 Querdenkens

  4. Verflachte Verarbeitung. Vor allem eine kognitive Überforderung kann zu einer verflachten Verarbeitung führen: etwa zur Verwendung sehr einfacher Heuristiken, die in der konkreten Pandemiesituation falsch sein können.
  5. Verdrängung. Emotionale Überforderung – insbesondere durch überstarke Ängste – kann zu Verdrängungsprozessen führen. Negative Affekte können vorbewusst verdrängt werden, bevor die Bedrohungsqualität angemessen analysiert werden kann.
  6. Emotionale Verflachung & Verleugnung. Emotionale Überforderung kann zu einer emotionalen Verflachung und einer überstarken Kognitivierung und Pseudo-Intellektualisierung führen. Es werden einseitig „Gegenbelege“ gesucht. Menschliches Leid wird dabei oft bagatellisiert.
  7. Intrusion. Menschen mit einem schwachen Selbstzugang verlieren diesen unter emotionaler Überforderung möglicherweise ganz. Sie sind dann anfällig für Einflüsterungen von Dritten (Intrusion), die alternative Narrative verbreiten.
  8. Reaktanz. Einschränkungen des eigenen Freiraums lösen eine Gegenreaktion (= Reaktanz) aus, egal, ob diese Einschränkungen epidemiologisch sinnvoll sind oder nicht.

    Wissenschaftskommunikation

  9. Vertrauensverlust in die Politik. Besonders gebrochene politische Versprechungen erschüttern die Berechenbarkeit und führen mittelfristig zu einem starken Vertrauensverlust.
  10. Vertrauensverlust in die Wissenschaft. Eine zu stark vereinfachte Wissenschaftskommunikation muss zu scheinbaren Irrtümern und Fehlprognosen führen. Insbesondere Kurskorrekturen müssen ausführlich erklärt und kommuniziert werden. Die breite Öffentlichkeit weiß NICHT, wie Forschung funktioniert.
  11. Finanzielle Interessen. Für Merchandising, Busreisen, Anwaltshonorare oder Schenkungen gilt das Gesetz der großen Zahl: auch bei anteilig geringem finanziellen Engagement kommt durch die Masse viel Geld für die Organisatoren zusammen. https://querschenken.company/
  12. Soziale Verbundenheit. Eine alternative Gruppierung kann zumindest oberflächlich das Bedürfnis nach gegenseitiger sozialer Verbundenheit und Unterstützung erfüllen.
  13. Autonomie. Alternative Narrative erzeugen eine scheinbare Wahlfreiheit: es ist nun möglich, sich gegen Maßnahmen oder den #covid19 Virus selber zu entscheiden.
  14. Kompetenzerleben. Gegenreaktionen (etwa von Politik & Wissenschaft) werden als Beleg für die eigene Wirksamkeit erlebt.
  15. Schlaue Menscheen

  16. Polarisierung. Eine eigene Position mit hoher Identifikation (Involvement) wird gerade durch starke Gegenargumente in der Regel weiter verstärkt. Es kommt zu einer Polarisierung der aufeinandertreffenden Meinungen.
  17. Schleichende Extremisierung. Extreme Meinungen entstehen nicht über Nacht, sondern driften in der Regel über einen längeren Zeitraum ab. Das „Drifttempo” wird insbesondere durch soziale Medien beschleunigt (Echokammern & Filterblasen).

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Weitere Informationen zum Mechanik des COVID19 Querdenkens:

  • Schwesterthread zu Wissenschaftskommunikation.
  • Ergänzender Spezialthread zu „schlauen“ Menschen.
  • Und eine Analyse zum Thema “Schulische Bildung in Zeiten von Corona”.
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    Feb 182021
     

    Was sollte schulische Bildung in Zeiten von Corona leisten?

    Schulische Bildung in Zeiten von Corona

    Bei der Frage der schulischen Bildung in Zeiten von Corona sollte nicht die künstliche Dualität im Vordergrund stehen, ob Schulen Digital- oder Präsenzunterricht anbieten. Aus Sicht der empirischen Bildungsforschung sollte in beiden Fällen sichergestellt werden, dass die für erfolgreiches Lernen notwendigen Lehr-Lernprozesse implementiert werden, insbesondere unter Berücksichtigung von Tiefenstrukturen  (Baumann, Berghäuser, Bolz, & Martens, 2021).

    Schulische Bildung in Zeiten von Corona

    • Zeitliche Rhythmisierung. Eine notwendige Voraussetzung für das Lernen ist eine ausreichende Lernzeit. Etwa  gemeinsamer Unterrichtsbeginn und -ende sowie definierte Lernzeiten können mögliche Zeitfenster vergrößern. 
    • Eigener Lernraum. Ein störungsfreier Lernraum und (technische) Lernmittel müssen in der Schule und zu Hause gewährleistet werden. Bei sozial benachteiligten Familien muss die Einrichtung des häusliche Lernraum besonders gefördert oder ggf. extern bereitgestellt werden.
    • Kognitive Aktivierung. Fokussierung auf verständnisorientierte Lernziele. Anschluss an Interessen und Vorwissen, Vermeidung von Unter- und Überforderung: Lernen in der “Zone of Proximal Development”.
    • Soziale Eingebundenheit. Die Lehrkraft sollte Wertschätzung sowie sozial-emotionale Unterstützung anbieten und insgesamt für ein förderliches Klassenklima sorgen.
    • Feedback geben. Die Lehrkräfte sollten ein lernbegleitendes qualitatives Feedback zum Lernfortschritt geben: individuell und zeitnah (Formatives Assessment).
    • Feedback holen. Die Lehrkräfte sollten sich kontinuierlich Feedback holen und ihren Unterricht entsprechend an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler adaptieren.
    • Selbstreguliertes Lernen unterstützen. Auswahl von Lernthemen und Lernmethoden anbieten und die Selbstregulation durch systematische Reflexionsangebote wie etwa Lerntagebücher unterstützen (Self-regulated Learning). 

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    Eine Langfassung dieses Beitrages finden Sie auf Researchgate zur freien Verfügung, insbesondere ab S. 44: Baumann, M., Berghäuser, A., Bolz, T., & Martens, T. (2021). Den Fokus neu denken – Skizze eines Pandemiemanagements auf Grundlage der Bedürfnisse und Lern- und Entwicklungserfordernissen von Kindern, Jugendlichen und Familien. Socialnet.de Verfügbar unter http://d-nb.info/1226124631/34 [06.02.2021].

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    Weitere Literatur von Thomas Martens findet sich hier.

    Feb 182021
     

    Motivation zum Studieren: 24 Tipps für Lehrende

    Erleben Sie das auch manchmal? Die Studierenden in Ihren Vorlesungen und Seminaren sind gelangweilt, träge oder haben eigentlich gar keine Lust Ihrem Unterricht zu folgen? Hier finden Sie 24 Tipps, um Ihre akademische Lehre zu reflektieren. Diese Tipps leiten sich aus meinen aktuellen Forschungsprojekten sowie dem Integrierten Lern- und Handlungsmodell (ILHM) ab:

    Motivation zum Studieren

    Motivation zum Studieren: die Ausgangslage

    Am Anfang müssen sich die Studierenden darüber klar werden, was auf sie zukommt. Diesen Internalisierungsprozess können Sie unterstützen, in dem Sie weitreichende Informationen zum Lernthema zur Verfügung stellen. Die Studierenden können dann für sich eine erste Zielorientierung herstellen. Sie sollten sich in etwa klar werden, wo ihre eigenen Stärken und Schwächen liegen. Dabei sollte der Focus auf den Lernprozess gelegt werden und nicht so sehr auf die Inhalte. Lernen sollte auch immer eine Selbsttransformation sein. Eine weitere günstige Vorbedingung für eine Motivation zum Studieren sind freie Wahlmöglichkeiten, etwa beim Lernthema. Dies fördert das Autonomieerleben und steigert über eine Verantwortungsübernahme die Grundmotivation zum Lernen.

  • Bereitstellung von weiterreichenden Informationen über den Lernprozess und das Lernthema im Vorfeld
  • Transparente Vermittlung der Lernziele und der Lernherausforderungen (ohne Ängste zu wecken)
  • Bereitstellung von Instrumenten zur Selbstdiagnose von Vorwissen
  • Angebot von Lernthemen (zur freien Auswahl)
  • Schaffung einer angstfreien Lernatmosphäre
  • Phasen der Entspannung in den Lernprozess einbauen
  • Berücksichtigung der Heterogenität von Lernmotivationen
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    Motivation zum Studierend: die Lernintention

    Jeder Studierende lernt am besten auf seine eigene, ganz besondere Weise. Und vielleicht ganz anders als sie selber. Unterstützen Sie die Studierenden bei der Sure nach neuen Arbeitsformen oder regen sie die Nutzung von neuen Lernformen aktiv an.

  • Unterstützung bei der Suche nach neuen Arbeits- und Lernmethoden
  • Angebote verschiedener Lernmethoden (zur freien Auswahl)
  • Vermittlung welche Lernmethoden effektiv sein könnten
  • Zeit und Muße für Methodenreflexion
  • Phasen der Entspannung in den Lernprozess einbauen
  • Berücksichtigung von unterschiedlichen Lernstrategien
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    Die Umsetzung von Lernhandlungen (Volition)

    Tempo und Form des Lernens können für jeden Studierenden ganz anders sein. Geben Sie sich nicht der Illusion hin, dass alle Studierenden gleichförmig und gleichschnell lernen. Schaffen Sie Räume für die individuelle Ausgestaltung der Lernprozesse.

  • Geschützte und störungsfreie Lernumgebung schaffen
  • Phasen der Entspannung in den Lernprozess einbauen
  • Kollaboratives Lernen organisieren mit Hilfe von Rollenskripten, etwa dem Gruppenpuzzle (Wechselseitiges Lehren und Lernen)
  • Individuelle Zeit und Arbeitsplanung zulassen
  • Berücksichtigung von unterschiedlichen Lernwegen
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    Motivation zum Studieren durch Rückkopplungsprozesse

    Damit die Lernprozesse im Studium und langfristig motiviert und effektiv bleiben, sollten die Studierenden ihren Lernfortschritt und ihre Selbsttransformation regelmäßig reflektieren. Versorgen Sie Ihre Studierenden deshalb mit Feedback zu ihrem individuellen Lernfortschritt und zur qualitativen Veränderung von Lernprozessen.

  • Verknüpfung verschiedener Wissensbereiche
  • Feedback zum individuellen Lernfortschritt
  • Feedback zur Effektivität von Lernmethoden
  • Bereitstellung von Instrumenten zur Selbstdiagnose
  • Bereitstellung von Kriterien zur Selbstdiagnose
  • Kennzeichnung von individuellen Lernfortschritten
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    Workshop zum Thema Motivation zum Studieren: Tipps für Lehrende

    Haben Sie Interesse? Zu diesem Thema wird auch ein eintägiger Workshop angeboten.

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