LeMoLeTa – Lernmotivation durch Lerntagebücher

 
Lernmotivation durch Lerntagebücher

Foto: UBC Learning Commons, * Text Ingrid Dankwart

LeMoLeTa – Lernmotivation durch Lerntagebücher

Gegenstand und Ziel des Forschungsprojekts

Im Forschungsprojekt LemoLeta soll die Lernmotivation durch Lerntagebücher untersucht und gesteigert werden.

Insbesondere soll die Wirkung von Lerntagebüchern auf die Lernmotivation und den Lernerfolg mit Hilfe einer kombinierten Längsschnitt- und Interventionsgruppenstudie im Schulkontext untersucht werden. Damit sollen wirksame Prozesse des selbstregulierten Lernens identifiziert werden, die den Schulunterricht effektiver machen können. Es wird insbesondere erwartet, dass die Selbstreflexion eine spezifische Wirkung entfalten kann.

Die Schülerinnen und Schüler sollen Ihre Selbstregulationsstrategien und Ihre Lernmotivation im Laufe der Studie direkt verbessern.

Aktuelles Forschungsteam:

  • Prof. Dr. Thomas Martens (Leitung)
  • Lena Maria Chavier
  • Annika Franke
  • Lebana Gieschen
  • Laura Kowalski
  • Tomke-Maren Oldewurtel
  • Henriette Scharpenberg

Ehemalige Teammitgleder:

  • Laura Flügel
  • Christian Matte
  • Tabea Theißen
  • Nora Willhöft

Kooperationsschule: Stadtteilschule am Heidberg

  • Ansprechpartner: Nils Plathe

Beschreibung des aktuellen Forschungsstandes

Lerntagebücher können verschiedene Aspekte des schulischen Lernens konkret unterstützen:

  • Analyse von Lernanforderungen
  • Planung und Strukturierung von Lernvorgängen
  • Anregung von Kooperationen (mit Peers)
  • Artefakte sammeln, auswählen und verknüpfen
  • Lernprodukte erstellen
  • Lernergebnisse präsentieren
  • Grundlage für das Einholen von Feedback (von Lehrpersonen, Peers, Eltern)
  • Grundlage für die Reflexion von Lernprozessen

Dabei steht bei den meisten wissenschaftlichen Untersuchungen zu Lerntagebüchern die Planung und Strukturierung von Lernprozessen im Vordergrund. Dies liegt u.a. daran, dass sich die Konzeption solcher Lerntagebücher oft an metakognitiv dominierte Aspekte des selbstregulierten Lernens anlehnt (siehe etwa Corno, 2001). Von daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich Lerntagebücher genau auf diese Planungs- und Regulationsprozesse beziehen (vgl. Dignath-van Ewijk, Fabriz, & Büttner, 2015). In dieser Untersuchung sollen deshalb metakognitive durch motivationale Prozesse ergänzt werden. Hierfür wird als theoretische Grundlage das Integrierte Lern- und Handlungsmodell (ILHM) von Martens (2012) herangezogen.

LemoLeta - Lernmotivation durch Lerntagbücher

Das Integrierte Lern- und Handungsmodell (ILHM) von Martens (2012).

Im Integrierten Lern- und Handlungsmodell (ILHM) werden drei Prozessphasen einer vollständigen Lernhandlung unterschieden, die für tiefgreifende Lernprozesse notwendig sind:

  • die Motivierungsphase,
  • die Intentionsphase und
  • die Volitionsphase.

In der Motivierungsphase wird eine Lernmotivation ausgebildet, d.h. es entsteht ein Bedürfnis, eine lernbezogene Soll-Ist-Diskrepanz zu reduzieren.

In der Intentionsphase wird eine Lernintention gebildet, die die Lernmotivation erfüllen kann. In der Volitionsphase wird schließlich eine Lernintention in eine tatsächliche Lernhandlung umgesetzt. Dazu kommen noch Rückkopplungsprozesse zu allen drei Phasen.

In der geplanten Studie soll vor allem auf die Prozesse des ILHM fokussiert werden, die eine SELBSTregulation in dem von Julius Kuhl enger definierten Sinne (2000, 2001) betreffen, nämlich die Prozesse, die auf eine Aktivierung des sogenannten Extensionsgedächtnis zielen. Dazu gehören die Verantwortungsübernahme, die Entwicklung der Kompetenzerwartung und die selbstkongruente Zielverfolgung sowie die Rückkopplungsprozesse, die sich hierauf beziehen (Martens, 2012). Es kann davon ausgegangen werden, dass diese selbstbezogenen Prozesse die Grundlage für die die weitere Ausprägung einer intrinsischen Motivation (Deci & Ryan, 1993) und ebenso für die Entwicklung eines langfristig themenbezogenen Interesses schaffen. Umgekehrt kann eine fehlende intrinsische Motivation möglicherweise zu den gleichen Lernerfolgen im Sinne von summativen Klassenarbeiten führten, geht aber mit einem hohen Belastungserleben einher und könnte mittelfristig zu Erschöpfung und/oder Interessenverlust führen. Weiter kann spekuliert werden, dass eine fehlende intrinsische Motivation zu oberflächlichen Lernprozessen führt, bei denen insbesondere Wissensinhalte schlechter vernetzt sind, schlechter abgerufen werden können und insbesondere nicht auf andere Kontexte übertragen werden können (träges Wissen nach Renkl, 1996 ).

Die regelmäßige Aktivierung des Extensionsgedächtnisses bei den Lernprozessen macht es nötig, dass bei anzuregenden Reflexionsprozessen die Selbstberuhigung angestoßen werden kann, die mit einer Dämpfung von negativen Affekten einhergeht. Hierfür muss zumindest ein ausreichendes Klassenklima und eine gegenseitiges Respekts- und Vertrauensverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden und ggf. zwischen den Peers gegeben sein.

Lernmotivation durch Lerntagebücher – Forschungsstudie 1

Es ist eine kombinierte Längsschnitt- und Interventionsgruppenstudie geplant. Dabei werden unter anderem verschiedene Lernmethoden vorgestellt, die problemlos im jeweiligen Fachunterricht eingesetzt werden können, etwa die Methode „Mindmap“ zur Visualisierung von persönlichen Fachinhalten (vgl. Mento, Martinelli, & Jones, 1999). Es soll insbesondere reflektiert werden, ob die eingesetzten Lernmethoden und Lernstrategien effektiv sind (Rückkopplung auf die Handlungs-Ergebnis-Erwartung) und ob die Lernmethoden und –strategien wirklich zu den Lernenden passen (Rückkopplung auf die Kompetenzerwartung im Sinne des ILHM). Diese Rückkopplungsprozesse sollen sich auf spezifische Lerninhalte beziehen, die mit den Lehrkräften vorher abgesprochen werden.

Forschungsstudie Lernmotivation durch Lerntagebücher 1: Stichprobe

Es soll eine genügend große Stichprobe von Schülerinnen und Schülern der 7. und 8. Klassen gezogen werden, die eine differentielle Wirkungsanalyse mit Mischverteilungsmodellen ermöglich. Die beteiligten Lehrkräfte sollen Angebote für Lernmethoden in den Fachunterricht systematisch integrieren.

Forschungsstudie Lernmotivation durch Lerntagebücher 1: Datensicherheit gem. § 8 HmbDSG

Die Auswertung der Daten erfolgt ausschließlich anonymisiert. Dies wird insbesondere dadurch erreicht, dass im Fragebogen an personengebundenen Daten nur Alter und Geschlecht erhoben wird. Die Inhalte der Lerntagebücher und der Fragebögen werden mit Hilfe eines Zuordnungsschlüssels zugeordnet. Die Lerntagebücher verbleiben in der Schule und werden den Wissenschaftlern nur zum Rating zur Verfügung gestellt.

Forschungsstudie Lernmotivation durch Lerntagebücher 1: Art und Weise der Datenauswertung

Die Datenauswertung der Fragebogen erfolgt vor allem mit dem mixed-Rasch Modell (Rost, 1990), der Latent Class Analyse (Langeheine & Rost, 1993) und der Latenten Profilanalyse (Muthén & Muthén, 2004). Die Übergangswahrscheinlichkeiten von Motivationstypen zur Überprüfung der Wirksamkeit der Intervention sollen mit Latenten Markov Modellen (Langeheine & Van den Pol, 2002) geprüft werden. Diese Ergebnisse werden mit dem Urteil der Lehrperson, der intrinsischen Motivation und der tatsächlichen Nutzung der Lerntagebücher trianguliert.

In dem geplanten Forschungsprojekt werden die die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ausdrücklich anerkannt und unbedingt eingehalten.

Die Untersuchungsergebnisse sollen der Schule zur Verfügung gestellt werden. Personenbezogene Daten verbleiben bei den beteiligten Lehrkräften.

Weitere Forschungsansätze von Thomas Martens finden sie hier.

Literatur

Corno, L. (2001). Volitional aspects of self-regulated learning. In B. J. Zimmerman & D. H. Schunk (Eds.), Self-regulated learning and academic achievement: Theoretical perspectives (Vol. 2, pp. 191-225). Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum Associates.

Deci, E., & Ryan, R. (1993). Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. Zeitschrift für Pädagogik, 39, 223-238.

Dignath-van Ewijk, C., Fabriz, S., & Büttner, G. (2015). Fostering self-regulated learning among students by means of an electronic learning diary: A training experiment. Journal of Cognitive Education and Psychology, 14(1), 77-97.

Kuhl, J. (2000). A Functional-Design Approach to Motivation and Self-Regulation: The Dynamics of Personality Systems and Interactions. In M. Boekaerts, P. R. Pintrich, & M. Zeidner (Eds.), Handbook of Self-Regulation (pp. 111-169). San Diego, San Francisco, New York, Boston, London, Sydney, Tokyo: Academic Press.

Kuhl, J. (2001). Motivation und Persönlichkeit – Interaktionen psychischer Systeme. Göttingen, Bern, Toronto, Seattle: Hogrefe.

Langeheine, R., & Rost, J. (1993). Latent Class Analyse Latent class analysis. Psychologische Beitraege, 35(2-3), 177-198.

Langeheine, R., & Van den Pol, F. (2002). Latent Markov chains. In J. A. Hagenaars & A. L. McCutcheon (Eds.), Applied latent class analysis (pp. 304-341). Cambridge: Cambridge University Press.

Martens, T. (2012). Was ist aus dem Integrierten Handlungsmodell geworden? In W. Kempf & R. Langeheine (Eds.), Item-Response-Modelle in der sozialwissenschaftlichen Forschung (pp. 210-229). Berlin: Verlag Irena Regener.

Mento, A. J., Martinelli, P., & Jones, R. M. (1999). Mind mapping in executive education: applications and outcomes. Journal of Management Development, 18(4), 390-416.

Muthén, L., & Muthén, B. (2004). Mplus user’s guide. Los Angeles: Muthén & Muthén.

Renkl, A. (1996 ). Träges Wissen: Wenn Erlerntes nicht genutzt wird. Psychologische Rundschau, 47(2), 78-92.

Rost, J. (1990). Rasch Models in Latent Classes: an Integration of two Appoaches to Item Analysis. Applied Psychological Measurement, 14(3), 271-282.