Jun 282021
 

Rezension zu Walter Isaacson The Code Breaker: Jennifer Doudna, Gene Editing, and the Future of the Human Race

Rezenstion zu Walter Isaacson The Code Breaker

Vielleicht das Buch des Jahres: Walter Isaacon beleuchtet in „The Code Breaker“ die Hintergründe der Forschung, die u.a. die Produktion von mRNA-Impfstoffe ermöglicht haben. Eine Rezension.

Walter Isaacson nimmt uns mit auf die Reise in das menschliche Genom. Das Buch handelt von der Erforschung der RNA und wie man diese verändern kann. Erzählt wird vor allem aus der Perspektive der Nobelpreisgewinnerin Jennifer Doudna.

Aber dieses Buch ist mehr als eine Biographie, auch die vielen Forscherinnen und Forscher, die in diesem Feld eine Rolle spielten (und spielen) und ihre Entdeckungen werden ausführlich vorgestellt. Dabei erzeugt Walter Isaacson – gestützt auf viele Interviews – eine Atmosphäre als wäre er selber dabei gewesen.

Und tatsächlich, in diesem Buch dokumentiert Isaacson eine unübertroffene Akribie, er besucht Fachkonferenzen, hantiert mit Pipetten und nimmt als Proband an einer Impfstudie von Biontec Pfizer teil. Trotz oft kindlich anmutender Begeisterung für den wissenschaftlichen Fortschritt, reflektiert Isaacson auch Kooperation und Rivalität zwischen Wissenschaftlerinnen z.B. zwischen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna. Wer kann den nächsten großen Artikel veröffentlichen, wer kann das nächste Patent anmelden, wer kann die nächste Firma ausgründen und wer gewinnt den nächsten Forschungspreis?

Diese und andere Rivalitäten schwächen sich dann erst mit Beginn der Corona-Krise etwas ab: Forschungsergebnisse werden fortan auf Preprint-Servern geteilt, Anleitungen für Testverfahren werden ohne vorherige Patentierung frei zur Verfügung gestellt.

Das Buch von Isaacson ist wahrlich multidimensional: es ist eine Reise durch die Zeit von Georg Mendel bis zur Jetztzeit und es ist eine Reise in der Raum hinein bis in die molekulare Struktur der RNA. Es ist eine Reflexion von wissenschaftlicher Arbeit und wissenschaftlicher Ethik. Dabei kommt James Watson, dem kongenialen Partner von Francis Crick beim Finden der Doppelhelix eine besondere Nebenrolle zu, in der sich wissenschaftliche Glorie und Hybris gleichermaßen spiegeln. Ohne Rosalind Franklin zu fragen wurden das unveröffentlichte Foto 51 von ihrem Doktoranden Raymond Gosling und dem Kollegen Maurice Wilkins an Watson & Crick weitergegeben. Watson & Crick haben dieses Bilder dann genutzt, um die Struktur der Doppelhelix weiter zu entschlüsseln. Rosalind Franklin wurde dann zwar in einem Nebensatz erwähnt, starb aber tragisch schon mit 37 Jahren – 4 Jahre bevor Watson, Crick & Wilkings dann 1962 der Nobelpreis für Medizin bekamen.

Ausführlich werden auch die späten Jahre von Watson im Buch geschildert. Mehrfach behauptet Watson, das “Schwarze” weniger intelligent sein und dass die Ursachen hierfür mi den Genen lägen. Watson ließ nicht von seinen Behauptungen ab und verlor schließlich alle Ehrentitel. Dies wird von Isaacson auch ausführlich geschildert. Zwar betont Isaacson an einigen Stellen die Notwendigkeit für interdisziplinäre Forschung, aber sicherlich wären an dieser Stelle wären vertiefende Betrachtungen zur Erblichkeit von Intelligenz nötig gewesen.

Warum nennt sich ein Molekularbiologe wie Watson wenig mit der Intelligenzforschung aus und behauptet beharrlich Unfug? Eitelkeit, Arroganz und Überheblichkeit sind wichtige Eigenschaften von allen Wissenschaftlerinnen, geraten aber außerhalb des wissenschaftlichen Peer-to-Peer-Kontextes schnell außer Kontrolle.

Mit seiner Begeisterung für RNA reist Isaacson seine Leserschaft mit und verwandelt ein eigentlich trockenes wissenschaftliches Thema in ein spannendes Buch. Aber mit genau dieser Begeisterung verliert Isaacson auch seine kritische Distanz (wie auch schon mit seinen Begeisterungsstürmen für Leonardo da Vinci). Sicherlich wird es mit der Genschere CRISPER/Cas in Zukunft sehr leicht sein, das menschliche Erbgut zu verändern. Und sicherlich gibt es einige genetisch bedingte Krankheiten, die in Zukunft leicht zu heilen sein werden.

Der Großteil der menschlichen Eigenschaften – wie die schon erwähnte- Intelligenz – sind jedoch nicht annähernd verstanden und können deshalb auch auf lange Zeit nicht systematisch verändert werden. Andere Basiseigenschaften, die besser verstanden sind, wie etwa die Körpergröße, könnten systematisch verändert werden. Aber macht das überhaupt Sinn? Wenn ALLE Menschen etwa 2 Meter große wären, bräuchten wir größere Häuser, größere Autos, größere Flugzeuge.

Fazit der Rezension zu Walter Isaacson The Code Breaker

Es ist schwer zu resümieren, ob Walter Isaacson wirklich das “Buch des Jahres” vorgelegt hat. Aber auf jeden Fall hat er eine kurzweilige und interessante Aufarbeitung des wissenschaftlichen Hintergrundes geleistet, die u.a zur Entdeckung von mRNA-Impsfoffen geführt hat. Damit leistet Walter Isaacson auch eine allgemeinverständliche Aufklärung zu diesem Thema und nimmt vielleicht auch vielen Menschen die Angst, dass die neuen Impfstoffe zu schnell entwickelt wurden. Insofern ist dieses Buch eine absolute Lese- oder Hörempfehlung für alle Menschen, die sich vermehrt mit der Erforschung der RNA beschäftigen wollen.

Weitere Leseempfehlung: Eine kleine Analyse der Mechanik des Covid19 „Querdenkens“ aus motivationspsychologischer und sozialpsychologischer Perspektive.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz