Feb 252021
 

Systemeigenschaften einer pandemiegerechten Schule

Systemeigenschaften einer pandemiegerechten Schule

Wie soll es mit den Schulen in Zeiten von Corona weitergehen? In der aktuellen Diskussion (Stand 25.2.2021) werden vor allem Schnelltests und Impfungen genannt. Diese beiden Maßnahmen sind natürlich wichtig. Aber viel entscheidender ist ein Gesamtpaket von Maßnahmen, die aufeinander abgestimmte sind und sich gegenseitig ergänzen. Diese Maßnahmen sollten im Rahmen einer mittelfristigen Schulentwicklung umgesetzt werden und zu den Systemeigenschaften einer pandemiegerechten Schule führen, die ich im Folgenden aufliste:

1. Reaktionsschnelligkeit. Die Ausbreitung von #COVID19 muss bei einem Ausbruch möglichst schnell gestoppt werden. Auf Warnhinweise, z.B. Ergebnisse von Schnelltests schnell und konsequent reagieren -> 5 Tage Homeschooling + weitere Testung. 2/15

Systemeigenschaften einer pandemiegerechten Schule

2. Verringerung von Knotenpunkten. Insbesondere Superknoten müssen konsequent vermieden werden, etwa durch Fachunterricht im Digitalformat. 3/15

3. Kohortierungsprinzip. Durch die Einhaltung strikter Kohortierung inklusive der Bezugspersonen können große Ansteckungscluster vermieden werden. Dies gilt auch für adjunkte Nachbarsysteme, etwa den ÖPNV. 4/15

4. Engmaschigkeit. Mögliche Ansteckungsketten müssen genau identifiziert werden, etwa durch Schnelltests, um eine möglichst hohe Zielgenauigkeit der Pandemiemaßnahmen zu erreichen und Kollateralschäden zu minimieren. 5/15

5. Übertragungswahrscheinlichkeit verringern. Insbesondere durch konsequentes Tragen von FFP2- Masken, Einsatz von (mobilen) HEPA-14-Filtern, Raumteiler und irgendwann Impfung. 6/15

6. Redundanz. Schutzmaßnahmen müssen sich ergänzen. Kein System sollte so gestaltet sein, dass der Ausfall einer Systemkomponente zu kompletten Systemversagen führen kann. 7/15

7. Transparenz. Alle Beteiligte des Systems Schule sollten über die Pandemiestrategie umfassend und zeitnah informiert werden, damit sie selbstgesteuert handeln können. 8/15

8. Reaktionsfähigkeit. Veränderungsprozesse müssen antizipiert und trainiert werden. Etwa die mögliche Umstellung auf das Homeschooling bei hoher Inzidenzlage. 9/15

9. Frühwarnsysteme. Daten als Indikatoren für die Pandemiedynamik sollten möglichst niedrigschwellig gesammelt werden, etwa mit Hilfe einer zentralen Meldestelle. 10/15

10. Proaktive Steuerung. Eine schnelle Veränderung der Pandemiesituation an Schule macht eine agile Steuerung nötig, die nicht immer auf behördliche Anweisungen „von oben“ warten kann. 11/15

11. COVID19-Steuergruppe. Die Steuerung der Pandemiestrategie sollte eine ausgewählte Gruppe übernehmen, die die insbesondere den Kommunikationsfluss in alle Statusgruppen (an der Schule) gewährleisten kann. 12/15

12. Selbstevaluation. Die Wirksamkeit der Pandemie- Strategie sollte fortlaufend kontrolliert werden, insbesondere auch auf (unerwünschte) Nebenwirkungen und zeitlich Verzögerungseffekte hin. 13/15

13. Fremdevaluation. Die Selbstevaluation sollte durch eine wissenschaftliche Fremdevaluation unterstützt werden, etwa bei der Überprüfung der Wirksamkeit von Luftfiltern. 14/15

14. Compliance. Entscheidend für die Wirksamkeit der Pandemiemaßnahmen ist die Compliance. Die muss höher sein als bei üblichen Qualitätsmaßnahmen an Schule. 15/15

Weitere Informationen zu Schule in Zeiten von COVID19:

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Feb 182021
 

Was sollte schulische Bildung in Zeiten von Corona leisten?

Schulische Bildung in Zeiten von Corona

Bei der Frage der schulischen Bildung in Zeiten von Corona sollte nicht die künstliche Dualität im Vordergrund stehen, ob Schulen Digital- oder Präsenzunterricht anbieten. Aus Sicht der empirischen Bildungsforschung sollte in beiden Fällen sichergestellt werden, dass die für erfolgreiches Lernen notwendigen Lehr-Lernprozesse implementiert werden, insbesondere unter Berücksichtigung von Tiefenstrukturen  (Baumann, Berghäuser, Bolz, & Martens, 2021).

Schulische Bildung in Zeiten von Corona

  • Zeitliche Rhythmisierung. Eine notwendige Voraussetzung für das Lernen ist eine ausreichende Lernzeit. Etwa  gemeinsamer Unterrichtsbeginn und -ende sowie definierte Lernzeiten können mögliche Zeitfenster vergrößern. 
  • Eigener Lernraum. Ein störungsfreier Lernraum und (technische) Lernmittel müssen in der Schule und zu Hause gewährleistet werden. Bei sozial benachteiligten Familien muss die Einrichtung des häusliche Lernraum besonders gefördert oder ggf. extern bereitgestellt werden.
  • Kognitive Aktivierung. Fokussierung auf verständnisorientierte Lernziele. Anschluss an Interessen und Vorwissen, Vermeidung von Unter- und Überforderung: Lernen in der “Zone of Proximal Development”.
  • Soziale Eingebundenheit. Die Lehrkraft sollte Wertschätzung sowie sozial-emotionale Unterstützung anbieten und insgesamt für ein förderliches Klassenklima sorgen.
  • Feedback geben. Die Lehrkräfte sollten ein lernbegleitendes qualitatives Feedback zum Lernfortschritt geben: individuell und zeitnah (Formatives Assessment).
  • Feedback holen. Die Lehrkräfte sollten sich kontinuierlich Feedback holen und ihren Unterricht entsprechend an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler adaptieren.
  • Selbstreguliertes Lernen unterstützen. Auswahl von Lernthemen und Lernmethoden anbieten und die Selbstregulation durch systematische Reflexionsangebote wie etwa Lerntagebücher unterstützen (Self-regulated Learning). 

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Eine Langfassung dieses Beitrages finden Sie auf Researchgate zur freien Verfügung, insbesondere ab S. 44: Baumann, M., Berghäuser, A., Bolz, T., & Martens, T. (2021). Den Fokus neu denken – Skizze eines Pandemiemanagements auf Grundlage der Bedürfnisse und Lern- und Entwicklungserfordernissen von Kindern, Jugendlichen und Familien. Socialnet.de Verfügbar unter http://d-nb.info/1226124631/34 [06.02.2021].

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Weitere Literatur von Thomas Martens findet sich hier.